„Wasser lieben – Leben retten“ im Endspurt

26.01.2026

Anspruchsvolle Rettungsausbildung im P-Seminar

Draußen ist es noch dunkel und eisig kalt. Ein frostiger Wintermorgen legt sich über Traunreut, während sich die ersten Jugendlichen ihren Weg zum Hallenbad bahnen. Dick eingepackt, mit Taschen über der Schulter, tauschen sie leise Grüße aus. Es ist Samstag, kurz vor 8.00 Uhr, und für das P-Seminar „Wasser lieben – Leben retten“ heißt das: Training.

„Jeden zweiten Samstag stehen wir hier, egal wie kalt es draußen ist“, erzählt Jakob Kreitmair, der die praktische Ausbildung begleitet. „Aber sobald man ins warme Hallenbad kommt, ist die Müdigkeit schnell vergessen.“

Im Inneren steigen Dampfschwaden vom Beckenrand auf, während die Schülerinnen und Schüler sich aufwärmen. Was zunächst wie gewöhnlicher Schwimmunterricht wirkt, entpuppt sich schnell als anspruchsvolle Rettungsausbildung.

Denn Rettungsschwimmer müssen weit mehr können, als nur schnell schwimmen: Technik, Koordination, Ausdauer und mentale Stärke sind entscheidend. „Man muss lernen, in Stresssituationen ruhig zu bleiben“, betont Kreitmair. „Im Ernstfall zählt jede Sekunde.“

Auch der betreuende Lehrer Bernhard Seitlinger ist beeindruckt vom Einsatz der Gruppe. „Die Schülerinnen und Schüler leisten hier wirklich Außergewöhnliches“, sagt er. „Sie investieren ihre Wochenenden, um etwas zu lernen, das im Notfall Leben retten kann. Das ist alles andere als selbstverständlich.“

Nach intensiven Theorieeinheiten in den vergangenen Wochen geht es nun zunehmend um die praktische Umsetzung. Im Wasser trainieren die Teilnehmenden verschiedene Schwimmstile, üben Rettungsgriffe und lernen, wie man eine erschöpfte oder panische Person sicher an den Beckenrand bringt.

Die Teilnehmer des P-Seminars mussten 300m in Kleidung unter neun Minuten für das Rettungsschwimmabzeichen in Gold schaffen.
Die Teilnehmer des P-Seminars mussten 300m in Kleidung unter neun Minuten für das Rettungsschwimmabzeichen in Gold schaffen.

„Viele unterschätzen am Anfang, wie komplex Rettungsschwimmen eigentlich ist“, erklärt Kreitmair. „Es geht nicht nur darum, jemanden irgendwie zu retten, sondern kontrolliert, sicher und ohne sich selbst zu gefährden.“ Immer wieder werden realitätsnahe Szenarien durchgespielt: Eine Person gerät plötzlich in Not, ruft um Hilfe oder verliert die Kraft. Dann müssen die Schülerinnen und Schüler schnell reagieren und die richtigen Entscheidungen treffen.

Besonders herausfordernd ist das Kleiderschwimmen. Mit nasser Kleidung wird jede Bewegung schwer, jeder Meter kostet Kraft. Trotzdem gibt niemand auf. „Das kostet Überwindung“, meint Kreitmair, „aber genau solche Übungen zeigen, was im Ernstfall auf einen zukommen kann.“

Herr Seitlinger sieht darin auch eine wichtige persönliche Entwicklung: „Man merkt, wie die Jugendlichen über sich hinauswachsen. Sie werden sicherer, verantwortungsbewusster und arbeiten als Team zusammen.“

Das P-Seminar befindet sich nun im Endspurt. Mit jedem Training wachsen Routine und Selbstvertrauen. „Am schönsten ist zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler immer mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewinnen“, sagt Jakob Kreitmair. „Am Ende geht es darum, vorbereitet zu sein, um vielleicht einmal wirklich ein Leben zu retten.“

Bernhard Seitlinger, StR

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